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Foto: KI/Ruhina / stock.adobe

Spahn ist untragbar und von allen politischen Ämtern auszuschließen

Ein Kommentar von Prof. Dr. Dr. Alexander Lohner, Universität Kassel
zum Beitrag: Petition jetzt unterschreiben: Spahn ist untragbar und von allen politischen Ämtern auszuschließen

Die ethische Tragödie einer grenzüberschreitenden Leihmutterschaft erschüttert das Fundament unseres humanistischen Menschenbildes. Wenn die Erfüllung eines Kinderwunsches nur um den Preis der Instrumentalisierung eines anderen menschlichen Lebens zu haben ist, wird das Prinzip der unveräußerlichen Menschenwürde im Kern verraten. Aus einer bioethischen Perspektive, die das Individuum stets als Zweck an sich und niemals bloß als Mittel begreift, führt die kommerzialisierte Fortpflanzung unweigerlich zu einer ethisch inakzeptablen Depersonalisierung. Der weibliche Körper wird in solchen Arrangements zu einer bio-technologischen Ressource degradiert, die auf dem globalen Basar des reproduktiven Tourismus verhandelt wird.

Während der unregulierte Kapitalismus ohnehin täglich Millionen Menschen dazu zwingt, ihre Gesundheit und ihr Leben im Dienst fremden Profits zu opfern, erreicht diese Verwertung in der globalen Fortpflanzungsindustrie eine neue, unerträgliche Dimension. Hier wird die existenzielle Armut von Frauen gezielt ausgenutzt, um die Nachfrage einer wohlhabenden Klientel zu bedienen. In diesem zutiefst asymmetrischen Gefüge erweist sich das Diktum des französischen Schriftstellers Léon Bloy als so wahr wie nie zuvor: „Das Geld ist das Blut der Armen.“ Im Kontext des reproduktiven Tourismus wird diese Metapher zur grausamen, physischen Realität – das angesammelte Kapital der Privilegierten kauft hier buchstäblich den Körper, den Uterus und das biologische Leben der Mittellosen. Diese Praxis blendet die tiefe psychologische und ontologische Verbundenheit aus, die während der Schwangerschaft zwischen der austragenden Mutter und dem Kind erwächst; ein Beziehungsabbruch direkt nach der Geburt wird hierbei strukturell vorausgesetzt und vertraglich institutionalisiert.

Besonders deutlich offenbart sich die Dehumanisierung dieser Praxis in den oftmals rigiden Vertragsklauseln des US-amerikanischen Marktes, die im Falle einer diagnostizierten Behinderung des Fötus eine gezielte Abtreibung vorschreiben. Hier wird die Leihmutter nicht nur in ihrer körperlichen Selbstbestimmung massiv beschnitten, sondern das werdende Leben vollends zu einer qualitätsgeprüften Ware degradiert, dessen Existenzberechtigung von utilitaristischen Selektionskriterien der Wunscheltern abhängt.

Vor diesem Hintergrund erweist sich der bloße Rücktritt von einem Regierungsamt als völlig unzureichendes politisches Surrogat, das der Schwere des moralischen Vergehens nicht gerecht wird.

Misst man dieses Handeln an Immanuel Kants Kategorischem Imperativ, wonach die Maxime des eigenen Willens jederzeit als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten können muss, so kollidiert das Verhalten des Abgeordneten Jens Spahn unauflöslich mit den Fundamenten unseres parlamentarischen Systems. Wer als Politiker öffentlich die gesetzlichen Verbote von Durchführung und Vermittlung der Leihmutterschaft im Inland mitträgt, sich jedoch im privaten Raum durch die Inanspruchnahme rechtlicher Sonderwege im Ausland über eben jene Normen erhebt, gefährdet seine demokratische Legitimation. Ein solches Schisma zwischen legislativer Verantwortung und privater Praxis zerstört das Vertrauen in die moralische Integrität der Volksvertretung. Der Verzicht auf das parlamentarische Mandat ist daher der einzig verbleibende, konsequente Schritt hin zu einer glaubwürdigen politischen Ethik.

Prof. Dr. Dr. Alexander Lohner, Universität Kassel


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