
Presseerklärung: Hohe Arzneimittelpreise gefährden das Menschenrecht auf Gesundheit. In Deutschland sind sie ein Kostentreiber für die gesetzliche Krankenversicherung
Hohe Preise für essentielle Arzneimittel stellen weltweit eine Herausforderung für Regierungen, Gesundheitssysteme und Patient*innen dar. Laut WHO machen Medikamente 20-60% der Gesundheitsausgaben in Entwicklungsländern aus und stellen die zweithöchsten Familienausgaben nach Lebensmitteln für einen Großteil der Bevölkerung in den Ländern dar. Auch in reichen Ländern wie Deutschland sind hohe Arzneimittelpreise ein Grund für die steigenden Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Mit der Gesundheitsreform versucht man, durch höhere Zuzahlungen für Patient*innen, höhere Rabatte der Pharmaindustrie und Ausgabensenkungen bei Ärzt*innen und Krankenhäusern die hohen Kosten zu deckeln.
Das Recht auf den höchstmöglichen Gesundheitszustand ist ein international anerkanntes Menschenrecht. Es verpflichtet Staaten dazu, den Zugang zu bezahlbaren, sicheren und wirksamen Medikamenten sicherzustellen. Wenn Arzneimittelpreise jedoch durch monopolistische Strukturen künstlich hochgehalten werden, wird dieses Recht untergraben.
Die Preisgestaltung von Medikamenten hat mit den tatsächlichen Produktionskosten meist wenig zu tun. Viele Medikamente sind billig in der Produktion, werden aber teuer verkauft. Die Industrie rechtfertigt hohe Medikamentenpreise mit teuren und riskanten Forschungs- und Entwicklungs-kosten. Diese müssen jedoch genau unter die Lupe genommen werden. Die zeitaufwendige und risikoreiche Grundlagenforschung wird oft an Universitäten, an Start-ups oder kleineren Firmen durchgeführt. Pharmafirmen steigen oft erst in die Medikamentenentwicklung ein, wenn erfolgversprechende Substanzen schon identifiziert wurden, die in größeren klinischen Studien getestet werden müssen – diese Kosten sind für Pharmaunternehmen überschaubar. Auch kaufen größere Firmen gerne Start-ups und andere Firmen mit einer vielversprechenden Medikamenten-pipeline auf statt selbst in die Forschung zu investieren.
Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Arzneimittelausgaben in Europa. Arzneimittel sind zwischen 2014 und 2024 um zwei Drittel gestiegen. Die GKV gab im letzten Jahr 58,5 Mrd. für Arzneimittel aus (16,6% der Gesundheitsausgaben). Teure Medikamente – insbesondere neue Spezialtherapien (z. B. gegen Krebs oder seltene Erkrankungen) – treiben die Kosten der Gesetzlichen Krankenversicherung stark nach oben. Das führt langfristig zu steigenden Beiträgen oder Einsparungen an anderer Stelle im Gesundheitssystem. Wie die Techniker-Krankenkasse Anfang des Jahres vermerkte, könnte man durch Angleichungen an das internationale Preisniveau bei den 30 umsatzstärksten Medikamenten jährlich rund 4,37 Milliarden Euro an Arzneimittelausgaben einsparen.
Eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit ist die Tuberkulose, an der jährlich etwa 10,7 Millionen erkranken und über 1,2 Millionen sterben. Es wird an neuen Medikamenten, Diagnostika und Vakzinen geforscht, die dann jedoch auch den Menschen im Globalen Süden zur Verfügung stehen müssen. Das wird jedoch nur der Fall sein, wenn diese auch für die jeweiligen Regierungen bezahlbar sind.
Um die hohen Medikamentenpreise zu stoppen, sind daher politische Maßnahmen notwendig. Dazu gehören eine stärkere Regulierung von Arzneimittelpreisen, die Förderung von Generika und Biosimilars, mehr Transparenzeinforderung bei Forschungs- und Entwicklungskosten sowie die Nutzung internationaler Instrumente wie Zwangslizenzen in Krisensituationen. Gleichzeitig sollte die öffentliche Finanzierung von Forschung stärker an Bedingungen geknüpft werden, die einen gerechten und gleichen Zugang gewährleisten.
Der Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten darf kein Privileg sein. Er ist ein grundlegendes Menschenrecht. Es liegt in der Verantwortung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Strukturen zu schaffen, die sowohl Innovation ermöglichen als auch die Gesundheit aller Menschen schützen.
Kontakt:
Dr. med. Christiane Fischer, Vorstandsvorsitzende
fischer@phmovement.de
0157 35469070
Dr. Astrid Berner Rodoreda, Mitglied des Vorstandes
berner-rodoreda@phmovement.de
Quellen:
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https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/essential-medicines
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https://archiv2.aerzte-exklusiv.at/de/b4l5GPmz/fusionen-und-uebernahmen-als-mittel-gegen-patente/